Zahlreiche Freiwillige meldeten sich für das neue „Plauderbänkla“-Angebot auf dem Forchheimer Friedhof
Einsamkeit ist ein stilles Problem – unsichtbar, aber allgegenwärtig. Auch in Gemeinschaften wie Mehrgenerationenhäusern, die eigentlich Begegnung und Austausch fördern, gibt es Menschen, die sich nicht trauen, den ersten Schritt zu tun. Das Mehrgenerationenhaus (MGH) Forchheim hat erkannt: Räume allein schaffen keine Begegnung. Es braucht mutige Ideen, die Menschen dort abholen, wo sie sind – wortwörtlich.
Das „Plauderbänkla“: Ein dritter Ort auf dem Friedhof
Warum ausgerechnet auf dem Friedhof? Weil er ein so genannter „Dritter Ort“ ist: offen, kostenlos, ohne Verpflichtung. Hier können Menschen kommen, bleiben oder wieder gehen – ganz nach Bedarf. Das „Plauderbänkla“ lädt zum Verweilen ein, und die Resonanz ist überwältigend: Innerhalb weniger Tage meldeten sich 35 Freiwillige – von Mitte 20 bis Ende 80 – die das Projekt unterstützen wollen.
Besonders Trauernde finden hier ein offenes Ohr und ein Lächeln. Der Friedhof, ein Ort der Stille, wird so zum Ort der Begegnung. Und das in einer Stadt, deren Bewohner sonst eher zurückhaltend sind. Dritte Orte funktionieren, wenn Menschen sie mit Leben füllen. Gleich am ersten Tag nahm eine Witwe das Angebot an : „Danke, dass Sie mir einfach zugehört haben“
Aufsuchende Hilfe gegen Einsamkeit
Nicht jeder kann oder will in eine Einrichtung kommen. Deshalb setzt das MGH Forchheim auf eine „Geh-Struktur“: Eine Sozialpädagogin besucht auf Wunsch Menschen ab 75 Jahren zu Hause. Im geschützten Rahmen werden nicht nur Fragen zum Älterwerden besprochen, sondern vor allem Wege aus der Isolation aufgezeigt. Die Mini-Jobstelle macht’s möglich – und zeigt: Begegnung beginnt mit einem Besuch.
Ein Aufruf an Politik und Praxis
Mehrgenerationenhäuser und Kommunen stehen vor der Frage: Wie erreichen wir die, die sich nicht melden? Das MGH Forchheim beweist: Kreative Formate und gezielte Aufsuchung können Brücken bauen. Politiker sind gefordert, solche Projekte langfristig zu fördern – denn Einsamkeit ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Thema.
Kontakt: Leitung MGH Forchheim, Kathrin Reif, k.reif@forhcheim-nord.de, 09191-6155287
Fotos: MGH Forchheim

